Ohrläppchenpiercing: Heilung, Pflege und wichtige Tipps
- tanjapodjaski
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Ohrläppchenpiercing: Warum der Klassiker oft unterschätzt wird

Wer unseren Podcast stichhaltig verfolgt, weiß: Selbst bei den vermeintlich einfachsten Piercings gibt es einiges zu beachten. Das Ohrläppchenpiercing ist dafür das beste Beispiel.
Viele Menschen denken bei einem Ohrläppchenpiercing an ein harmloses „Ohrloch“, das schnell gemacht ist und kaum Pflege benötigt. Tatsächlich handelt es sich aber um ein vollwertiges Piercing mit einer Heilungsphase, bestimmten Anforderungen an den Schmuck und einigen Dingen, die für eine komplikationsfreie Heilung wichtig sind.
Ohrloch oder Ohrläppchenpiercing?
Der Begriff „Ohrloch“ ist im Alltag weit verbreitet. Im professionellen Bereich sprechen wir jedoch von einem Ohrläppchenpiercing oder Lobe Piercing.
Dabei wird das weiche Gewebe des Ohrläppchens mit einer sterilen Einwegnadel gepierct. Anders als bei einer Ohrlochpistole entsteht dabei ein sauberer Stichkanal, der optimal auf den eingesetzten Schmuck abgestimmt werden kann.
Gerade weil das Ohrläppchenpiercing so häufig gestochen wird, wird oft vergessen, dass es sich dabei um eine frische Wunde handelt, die entsprechend versorgt werden muss.
Warum wir keine Ringe als Ersteinsatz verwenden
Eine der häufigsten Fragen im Studio lautet:
„Kann ich direkt einen Ring einsetzen lassen?“
Die kurze Antwort: Nein.
Ringe bewegen sich deutlich stärker als ein gerader Ersteinsatzschmuck. Durch diese Bewegung wird der frische Stichkanal ständig gereizt. Zusätzlich entstehen Druck- und Zugkräfte, die die Heilung verlängern oder sogar zu Komplikationen führen können.
Für frische Ohrläppchenpiercings eignen sich daher hochwertige Labret-Stecker deutlich besser. Sie bieten dem Gewebe die notwendige Ruhe, um stabil abzuheilen.
Nach abgeschlossener Heilung kann selbstverständlich auf Ringe gewechselt werden. Wichtig ist hierbei, dass im Piercing-Studio geprüft wird, dass die Narbe wirklich trichterförmig ist, damit es nicht zu unangenehmen Überraschungen wie zum Beispiel das Wandern zum Ohrläppchen-Rand kommt.
Die Heilung wird häufig unterschätzt
Das Ohrläppchen gehört zwar zu den Bereichen mit einer vergleichsweise unkomplizierten Heilung, trotzdem benötigt der Körper Zeit.
Die erste Heilungsphase dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Nach dieser Zeit empfiehlt sich meistens der "Downsize", es wird ein kürzerer Stab nach dem ersten Abklingen der Schwellung eingesetzt, damit weniger Bewegung im Stichkanal ist und das Piercing ruhiger heilen kann. Bis das Gewebe vollständig belastbar ist, vergehen jedoch oft mehrere Monate, mindestens vier, manchmal mehr.
Während dieser Zeit sollten Schmuckwechsel möglichst nur nach Rücksprache mit dem Piercingstudio erfolgen.
Viele Probleme entstehen nicht durch das Piercing selbst, sondern durch zu frühe Schmuckwechsel, unnötiges Spielen am Schmuck oder mangelnde Geduld während der Heilung.
Trocken heilt besser
Ein Punkt, den viele Menschen nicht auf dem Schirm haben: Frische Piercings sollten außerhalb der Pflege möglichst trocken gehalten werden.
Feuchtigkeit schafft ein ungünstiges Milieu für die Wundheilung und kann Hautreizungen begünstigen.
Deshalb empfehlen wir:
Nach dem Duschen die Haare gründlich trocknen oder zumindest vom Piercing wegstecken.
Nicht mit nassen oder feuchten Haaren schlafen gehen.
Das Piercing nach dem Waschen vorsichtig trocken tupfen. Auch nach dem Einwirken der Kochsalzlösung muss das Piercing mit einer sauberen Kompresse getrocknet werden.
Auf unnötige Feuchtigkeitseinwirkung verzichten. Auch hier muss auf Sauna, Solarium und Bade-Areale für 6-8 Wochen verzichtet werden.
Gerade bei längeren Haaren sehen wir immer wieder Reizungen, die schlicht dadurch entstehen, dass das Ohrläppchen über Stunden feucht bleibt.
Kinder-Ohrlöcher: Ab welchem Alter ist ein Ohrläppchenpiercing sinnvoll?

Ein Thema, das regelmäßig diskutiert wird, sind Ohrlöcher bei Kindern.
Im nakedsteel-Piercingstudio piercen wir Ohrläppchen bei Kindern ab sieben Jahren. Uns ist dabei wichtig, dass der Wunsch nach den Ohrlöchern vom Kind selbst ausgeht und nicht ausschließlich von den Eltern.
Außerdem sollte das Kind alt genug sein, um die Situation zu verstehen, bei der Pflege mitzuarbeiten und bewusst eine Entscheidung treffen zu können.
Vor dem Termin nehmen wir uns Zeit für eine ausführliche Beratung und erklären altersgerecht, wie das Piercing abläuft und worauf während der Heilung geachtet werden muss. Diese Beratung ist von 7-10 Jahren Pflicht, danach ist es die Entscheidung der Kinder und Eltern, ob sie lieber ein Vorgespräch haben möchten.
Denn auch ein Ohrläppchenpiercing bei Kindern ist ein Piercing – und verdient dieselbe Sorgfalt wie jedes andere. Natürlich greifen wir auch hier nicht zur Ohrloch-Pistole!
Der perfekte Einstieg in die Welt der Piercings
Das Ohrläppchenpiercing gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Piercings überhaupt. Es bietet unzählige Möglichkeiten für individuellen Schmuck, heilt bei guter Pflege meist unkompliziert ab und eignet sich für viele Menschen als erstes Piercing.
Gerade weil es so alltäglich wirkt, wird jedoch oft unterschätzt, wie wichtig hochwertiger Schmuck, professionelle Durchführung und die richtige Nachsorge sind.
Wer seinem Ohrläppchen die nötige Zeit zur Heilung gibt, schafft die beste Grundlage für viele Jahre Freude am Piercing.



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